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Trotz Unicode ist CJK-Typografie, also der Schriftsatz für China, Japan und Korea, für Europäer ein schwieriges Unterfangen. Für den Deutschen Drucker durfte ich im November 2008 die Funktionsumfänge von InDesign CS3 und XPress 8 in diesem Bereich untersuchen…
Der Schwerpunkt liegt dabei auf XPress 8, da Quark hier in der Plus-Version einiges für diesen Markt getan hat.
Ein paar Auszüge aus dem Text:
Unterschiede. Sowohl Adobe wie auch Quark trennen zwischen High-End und Low-End: Wer ostasiatischen Satz ohne besonderen Anspruch machen will kann dies mit den Standard-Versionen von InDesign oder XPress (7+8) tun. Wer aber mehr braucht muss spezielle CJK-Versionen kaufen – und hier gibt es Unterschiede:
Adobe vertreibt zwar Japan- und China-Versionen von InDesign – wer sie aber außerhalb dieser Länder (etwa in Europa) kaufen möchte tut sich schwer: Der Bezug ist langwierig und die Benutzeroberfläche steht nur in der für die meisten fremden Landessprache zur Verfügung! Die Dokumente selbst lassen sich aber in jeder Version öffnen und bereits eingerichtete CJK-Features lassen sich weiternutzen. So werden auf der Website www.techart.com/downloads/ Template-Dateien zum Download bereitgestellt, die ostasiatische Textrahmen enthalten. Werden diese dupliziert vererben sie auch einige der erweiterten Satzfunktionen mit. Interessanterweise hat Adobe Illustrator dagegen auch in der europäischen Version ausgefeilte Funktionen für CJK-Typografie – sofern Sie die entsprechende Illustrator-Voreinstellung aktivieren.
Auch Quark konnte erst mit Version 8 das Problem zufrieden stellend lösen: Es gibt eine Plus-Version von XPress mit dem notwendigen Funktionsumfang. Diese Version läst sich weltweit inklusive Benutzeroberfläche in beliebiger Sprache kaufen. Dank globalen Dateiformats kann jede XPress-Version diese Dateien öffnen und weiterverarbeiten. XPress 8 Plus wird daher für Anwender aus Europa zur ersten Wahl beim layouten für ostasiatische Märkte.
Was aber macht hochwertige CJK-Typografie aus? Hier soll ein Überblick über die Anfordernisse und deren Umsetzung in DTP-Programmen gegeben werden.
Regeln für nichtumbrechende Zeichen
Trotz Blocksatz und gleicher Zeichenbreite gibt es Zeichen, die nicht am Anfang oder am Ende einer Zeile stehen oder die nicht getrennt werden dürfen. Eine Zeile darf z.B. nicht mit einem Punkt oder einer schließenden Klammer beginnen. Auch Zahlen dürfen nicht zerteilt werden. Dieses Regelwerk sollte über die Software integriert sein.
In XPress 8 Plus lassen sich die Sets für nichtumbrechende Zeichen frei anpassen und werden dann über eine S&B-Einstellung auf Absatzebene angewandt.
Vertikaler Satz
Zeitungen, Zeitschriften und Bücher werden in CJK üblicherweise von oben nach unten und von rechts nach links gesetzt. Solche Produkte werden rechts gebunden. Moderne Werbmittel oder auch Internetseiten werden aber meist wie im Westen von Links nach Rechts gesetzt.
Besonders wenn lateinische mit ostasiatischen Zeichen kombiniert werden ist vertikaler Satz schwierig: Die lateinischen Zeichen sind dann durch Kanji-Zeichen zu ersetzen. Wenn dies nicht möglich ist werden die Zeichen um 90° im Uhrzeigersinn gedreht. XPress 8 Plus bietet zusätzlich noch die Möglichkeit Worte zu gruppieren um sie horizontal in das Zeichenraster zu stellen. Dieses „Group Characters“ Feature kann auch genutzt werden um mehrere CJK-Glyphen gegen Trennung zu schützen.
Regulierung des Zeichenabstandes
Mit Mojikumi-Funktionen (oft auch Mojigumi) wird der Zeichenabstand zwischen Interpunktionen bzw. Sonderzeichen und CJK- sowie lateinischen Zeichen geregelt. Dabei wird zwischen Beginn, Mitte und Ende einer Zeile unterschieden. Diese Regeln werden dann wiederum zueinander mit Prioritäten versehen. Da die Entwicklung solcher Settings sehr komplex ist werden von den Programmen meist Vorgaben mitgeliefert.
Einer Illusion darf man sich beim CJK-Satz aber nicht hingeben: Das Programm stellt immer nur die Hilfsmittel zur Verfügung – der Anwender sorgt für die Umsetzungsqualität. Daher ist in jedem Fall ein sprachkundiges Lektorat unerlässlich.
Mehr Informationen und Screenshots im Deutschen Drucker 37/08
