FAQ: Die “Farbphilosophie” von PDFX-ready

F:Gibt es eigentlich die Möglichkeit, eine optimale Einstellung in Quark 7.02 für die PDF-Composite Ausgabe vorzunehmen? Wie muß eigentlich ein ideales Ausgabesetting aussehen, um nicht “auf die Nase” zu fallen?

Immer wieder werden solche und andere allgemeine Fragen gestellt. Um die Antworten schneller zu finden und die Übersicht zu bewahren, werde ich diese daher in loser Folge hier nochmals mit aufnehmen. Zu Beginn eine Frage zu PDF-Ausgabstilen in QuarkXPress 7. In meiner Antwort gehe ich auf die sehr interessante Farbmanagement-Philosophie von PDFX-ready ein.

A:Ja, die gibt es. Bevor ich das jetzt alles selber beschreibe, verweise ich auf zwei Quellen, die in letzer Zeit Empfehlungen für QuarkXPress 7 herausgegeben haben:

– PDF/X-Ready (http://www.pdfx-ready.ch/index.php?show=536): Hier gibt es als Download verschiedene PDF-Ausgabestile für Coated, Uncoated, Newspaper u. Webcoated. Was bei PDF/X-Ready fehlt sind die Einstellungen für Quellen sowie für die Präferenzen.

– Die kann man sich aber im Cleverprinting Ratgeber 2007 erlesen: http://www.cleverprinting.de/ (Kostenloser Download)

Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass PDF/X-Ready und Cleverprinting unterschiedliche Farbeinstellungen verwenden: AsIs und CMYK. Ich denke, es ist ganz interessant einmal die Philosophien zwischen beiden Einstellungen zu beschreiben:

– Cleverprinting verwendet ein CMYK basiertes Setting. Das ist das, was wir auch immer wieder empfohlen haben. Dadurch werden RGB-Bilder automatisch nach CMYK verrechnet, CMYK wird durchgereicht, Transparenzen werden in CMYK reduziert. Dieser Ansatz ist sehr locker gegenüber verschiedenen Arten der Datenaufbereitung: Es ist möglich einen Teil der Daten medienneutral zu halten und andere Daten vorab in CMYK aufzubereiten. QuarkXPress übernimmt auf Bedarf das Farbmanagement und greift regulierend ein.

– PDF/X-Ready verfolgt einen anderen, restriktiveren Ansatz: Es kommt AsIs mit dem jeweiligen CMYK-Profil ohne geräteneutrale Farbe zum Einsatz. Dabei ist die PDF/X-3 Evaluierung aktiviert. Durch diese Kombination werden alle in QuarkXPress 7 platzierten RGB-Bilder bei der PDF/X-Evaluierung als Fehler gemarkt (untagged RGB ist in PDF/X verboten), die PDF/X-Evaluierung scheitert. Die Philosohpie von PDF/X-Ready ist es also, dass auschließlich CMYK-Daten in QXP platziert werden dürfen, die verfahrensangepasste Datenaufbereitung also bereits in Photoshop (z.B.) erfolgen muss. QuarkXPress 7 soll und darf bei diesem Ansatz außer für das Softproofing nicht mehr farbmanagend eingreifen.
AsIs stellt hier sicher, dass RGB RGB bleibt, was wiederum der PDF/X-Evaluierung nicht “gefällt” und somit eine nicht konforme Ausgabe entsteht.

Beide Ansätze sind denkbar und praktikabel: Binding in Photoshop (PDF/X-Ready) bzw. Binding in Photoshop und/oder in QuarkXPress 7 (z.B. Cleverprinting). Der Anwender muss für sich entscheiden welcher Ansatz für sich und seinen Workflow passender ist. Und dann muss eben überlegt werden, wo im Detail noch Anpassungen an die Gegebenheiten erforderlich sind. Die dritte Möglichkeit, das Binding in Acrobat oder später ist mit QuarkXPress 7 auf Grund verschiedener Einschränkungen im Moment nicht sinnvoll umzusetzen.

Gut zu wissen: PDFX-ready ist ein CH-landesweiter Kompromiss. Besser als diese Norm darf man immer sein! Dies kann auch die Komprimierungen oder das Downsampling betreffen, genaus wie eine mögliche nach CMYK konvertierung von RGB-Bestandteilen. Jeder der also weiss, was er tut, kann die Settings ändern, und etwa Farbverechnungen “aktivieren”. Man muss sich aber bewusst sein, dass dann evtl. unkontrolliert oder unbewusst konvertiert wird, was wiederum die Konfiguration weiterer Settings zur Folge hat.

Georg Obermayr

2 Comments FAQ: Die “Farbphilosophie” von PDFX-ready

  1. Antoinette Rozema

    Hallo,
    welche Bedeutung hat die Einstellung “Geräteunabhängige Farbe verwenden” im Zusammenhang mit ASIS? Ist das indentisch mit der Einstellung “PostScript-Farbmanagement” in Indesign, die dafür sorgt, das alles getaggt wird?

    Antoinette Rozema

  2. Georg Obermayr

    Wenn im Modus AsIs die Option “Geräteunabhängige Farbe verwenden” aktiviert ist, würden im PDF auf Objekt-Ebene Bilder und sämtliche anderen Grafikelemente getaggt (in den meisten Fällen, leider stark Dateiformat/Farbmodus abhängig in XPress 7).
    Gravierendster Stolperstein dieser Verfahrensweise ist aber, dass das ICC-Profil als CSA-Profil in den PostScript-Stream überführt wird und abschließend bei der PDF-Ausgabe wieder zum ICC-Profil wird (was ja nicht anders möglich ist, da PostScript keine ICC-Profile unterstützt, XPress 7 umgekehrt keinen nativen PDF-Export kennt).
    Bei dieser Konvertierung geht jedoch der originäre Name des Farbprofils verloren. Dei Namenskonvention lautet dann auf “Profile xxxx from PostScript CSA”.
    D. h. Sie sind im resultierenden PDF nicht mehr in der Lage, die verschiedenen Quellprofile voneinander zu unterscheiden. Spätere Farbkonvertierungen basieren also z.T. immer auf Vermutungen, was besonders im Datenaustausch sehr viel Vertrauen erfordert…

    Georg Obermayr

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *