Vorweg: Bei nachfolgenden handelt sich um eine Art “Hack”, da Quark diese Möglichkeit eigentlich nicht vorsieht. Es gibt aber eine Möglichkeit XPress “auszutricksen”. Da das nicht jedermanns Sache ist, sei auf den Disclaimer am Ende des Textes verwiesen.
Um was es also geht, ist eine Erweiterung der im PDF-Export vorgegebenen Evaluierungen für PDF/X-1a und /X-3 auf PDF/X-Plus Kriterien etwa der Ghent Workgroup.

Das ist gar nicht so schwer wie man denkt: Hinter der PDF-Prüfung von QuarkXPress 7 steht das Preflight-Modul von callas, dass ja auch in Adobe Acrobat Professional seine Dienste tut. Auch das entsprechende Dateiformat für den Austausch der Prüfprofile ist das selbe – .kfp.

PDF Export in XPress 7

Nachdem die Prüfmöglichkeiten jedoch im Interface fest verdrahtet sind, besteht erstmal keine Möglichkeit hier diese Engine erweitert, ausser für die Basis PDF/X-Evaluierung, zu nutzen. Quark wollte hier wohl vermeiden, dass ein zweites Preflight-System innerhalb von XPress 7 der eigenen Job Jackets Technologie Konkurrenz macht, da diese ja bis zu einem gewissen Grad auch als “Preflight” agiert.

Installation

Es gibt jedoch einen “Hack” durch den XPress 7.2 hinter den Kulissen ein erweitertes kfp-Profil untergeschoben werden kann:
Im Ordner QuarkXPress 7.01 (Programmordner): XTensions: pdfinspektor3: Profiles liegen die Prüf-Profile.

Ordner Profiles mit kfp Profilen

Wird mit den PDF-Ausgabestilen von PDFX-ready gearbeitet ist die Datei PDF_X_3_2002_Ready_CMYK.kfp entscheidend. Diese sollte dringend vorher gesichert werden!!!

Vorherige Modifikation des Profils

Als Basis für das PDF/X-Plus Profil kann etwa das von PDFX-Ready dienen oder auch die in Adobe Acrobat Professional (7!) mitgelieferten für Bogenoffset, Zeitung usw. Bevor das Profil aber in den Ordner eingefügt werden kann (vorher umbenennen), sollten noch ein paar Modifikationen vorgenommen werden, damit es optimal mit XPress 7 harmoniert. Dies sollte dann im Preflight-Modul von Acrobat Professional passieren.

Wird das Profil (hier das PDFX-ready Profil) nämlich unverändert eingesetzt, scheitern alle Prüfungen immer mit der Meldung “OutputIntent missing *Error*”.

Warum ist das so?
XPress 7 vergibt den Output Intent ganz zum Schluss nach der erfolgreichen PDF/X-Evaluierung. Ich hatte ja schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ein XPress 7 PDF bei gescheiterter PDF/X-Evaluierung als PDF/X-Flags hat, ausser dem Output Intent!
Weil dieser eben erst nach erfolgreicher Callas-Prüfung gesetzt wird.

Nachdem aber eigentlich schon zuvor, also während des PDF-Preflight auf vollständige PDF/X-Konformität geprüft wird (bei Einsatz eines PDFX-ready Profiles), muss diese Evaluierung eigentlich immer scheitern, da der Output Intent ja zum Zeitpunkt der Überprüfung immer fehlt.

Was Quark hier bei seinen Prüf-Profilen gemacht hat, um das zu umgehen, ist folgendes: Die inhaltlich relevanten Parameter für PDF/X werden über eigens erstellte benutzerdefinierte Regeln abgefragt. Dabei fehlt eben eine Prüfung auf den Output Intent – somit kann hier auch kein Fehler entstehen.

Um also die PDFX-ready Profile hier anständig nutzen zu können, muss man diese entsprechend anpassen. Sprich: Die “normale” PDF/X-Prüfung rausnehmen und dann auf benutzerdefinierte Regeln umlegen um somit den Output Intent auszuklammern.

Dies erfordert natürlich etwas Hintergrundwissen in der PDF/X-Norm, ein entsprechendes Beispiel-Profil für den gestrichenen Bogenoffset in hoher Qualität auf Basis von PDFX-ready kann

hier

heruntergeladen werden (Auch hier natürlich wieder Einsatz auf eigene Gefahr und ohne Gewähr meinerseits!)

Anwendung

Am PDF-Ausgabestil ändert sich selber nichts, jedoch wird im Hintergrund nach Ersetzen des Profils im “Profiles” Ordner automatisch das neue Setting angesteuert.

PDFX Prüfung gescheitert

Die PDF/X Gültigkeit wird dann auch nur noch vergeben, wenn die Datei entsprechend Meldungs-frei durchgeht. Im Logfile finden sich die Einzelheiten, natürlich nicht so komfortabel, wie es in Acrobat der Fall wäre.

PDFX Logfile

Jedoch findet jetzt im Hintergrund quasi unbemerkt und automatisch eine Prüfung auf PDF/X-Plus Kriterien statt und zwar inhaltlich konsistent zu dem, was auch Acrobat liefert!

Workflow-Aspekte

Durch diesen kleinen Kunstgriff wird ziemlich einfach realisiert, was viele Anwender und Experten immer wieder fordern: Eine Vergabe der PDF/X-Gültigkeit erst nach erfolgreicher Prüfung auf erweiterte verfahrensangepasste Kriterien. Die Basis-Prüfung auf PDF/X sagt ja i.d.R. nur sehr wenig über die tatsächliche “Druckbarkeit” im späteren Zielmedium aus. Dazu müssen weitere Kriterien, etwa Bildauflösung, Flächendeckungen, Überdruckungen u.a. erfüllt werden. Dieses Konzept ist landläufig unter PDF/X-Plus bekannt, schränkt also die Möglichkeiten eines PDF/X für die definierte Ausgabebedingung noch weiter ein.
Viele Anwender gehen davon aus, dass bereits die Basis, PDF/X-3, Prüfungen für spezielle Ausgabewege enthält. Das ist aber falsch! Daher sollte die PDF/X-Gültigkeit erst zum Schluss nach erfolgter, bewusst von Anwender gesteuerter, Prüfung vergeben werden. Nur so ist sichergestellt, dass das PDF/X-3 auch inhaltlich in allen Aspekten druckfähig ist.
Durch die Integration von PDF/X-Plus Profilen in XPress 7 wird dieser Prozess automatisiert. Werden die PDFX-Plus Kriterien erfüllt, wird automatisch auch PDF/X-3 vergeben. Scheitert PDFX-Plus (etwa wegen zu niedriger Bildauflösung), gibt es auch keine PDF/X-3 Gültigkeit.
Problematisch an diesem Hack ist, dass sich das eingesetzte Profil wie eine Art “Black Box” verhält. Es gibt in XPress 7 keinen direkten Weg um nachzuvollziehen, was genau geprüft wird, da sich die Einsteuerung des Profils ja nicht an der Oberfläche des Programms wieder spiegelt. Einziger Weg ist der Import in das Preflight-Modul von Acrobat Professional. Besonders problematisch wird dies, wenn verschiedene Ausgabewege angesteuert werden müssen, also die Profile häufiger gewechselt werden.
Von Quark wäre daher zu hoffen, dass dieser “Hack” bald offizieller Teil von XPress 7 wird und somit die Möglichkeit besteht, selbst benutzerdefinierte PDF-Prüfungen einzustellen.

Eine Konkurrenz-Situation mit den Job Jackets kann ich nicht entdecken. Im Gegenteil ergänzen sich beide Technologien ideal: Job Jackets können für das korrekte Setup das Dokuments verwendet werden: CMS-Einstellungen, PDF-Ausgabestile. Weiterhin können mit Job Jackets all die Dinge gesteuert und kontrolliert werden, die einem PDF-Preflight nicht offen stehen: Etwa Textüberläufe oder ein Import-Verbot für PDF- und JPG-Dateien.
Die PDF-Prüfung hat ihren Part dann bei der Ausgabe und spielt dort vor allem bei komplexen Layouts enorme Perfomance-Vorteile aus. Auch werden hier, im Gegensatz zu Job Jackets, die Inhalte importierter Vektor-EPSe mit geprüft.
Wenn Quark beide Konzepte noch enger miteinander verzahnen würde, entstände sicherlich in Bezug auf die Ausgabe-Sicherheit eine sehr zuverlässige, einmalige, Technologie.

Georg Obermayr, April 2007

Disclaimer
Dieser Hack greift in die Verhalten von XPress 7.X ein. Abstürze und anderweitig abnormale Verhaltensweisen können daher die Folge sein. Es empfiehlt sich dringend vor dem Eingriff Sicherungskopien der betreffenden Dateien anzulegen um diese später wieder einspielen zu können. Außerdem gilt natürlich: Einsatz auf eigene Gefahr und ohne Garantie!

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