Versuch eines CMS-Setups in QuarkXPress 7

Nachdem immer wieder Rufe aufgekommen sind, wie sich den das Setup des Farbmanagements in QuarkXPress 7 möglichst einfach und effizient erledigen und weitergeben lässt, habe ich mich dieser Thematik nochmals angenommen. Herausgekommen ist mehr als eine Technologiestudie, aber auch noch nicht ganz die ultimative Lösung. Es handelt sich um ein Konzept auf Basis von – nicht erschrecken! – Job Jackets.

Schritt 1: Starten Sie XPress und öffnen Sie keine Datei!
Wechseln Sie jetzt in Bearbeiten -> Ausgabstile und löschen alle selbst hinzugefügten PDF-Export Stile (also PDFX-ready usw.). Diese werden später über das Job Jacket eingesteuert. Löschen Sie aber vorerst keinen Druck- oder EPS-Export Stil! Diese sind momentan kein Bestandteil des Job Jackets, was Sie aber später gerne ändern können. Das (hier komplett) bereinigte Menü sieht so aus:

Bereinigtes Ausgabestile Menue

Gehen Sie anschließend in Bearbeiten -> Farbeinstellungen -> Quelle… und löschen auch dort alles, was selbst erzeugt wurde. Zum Schluss bleiben hier übrig: „QuarkXPress 7.0 Default“ und „Ausgabe-Proof wiederherstellen“.
Last but not least gehen Sie unter Bearbeiten -> Farbeinstellungen -> Ausgabe… und löschen auch hier alles benutzerdefinierte raus. Hier blieben acht von Quark gelieferte Profile übrig.

Das ist die Vorbereitungsarbeit, um später für die verfahrensangepassten Job Jackets die Menüs zu entschlacken und somit die Wahlmöglichkeiten für die Anwender so weit als möglich zu reduzieren.

Sollten Sie noch keine entsprechenden Stile in QuarkXPress geladen oder erstellt haben, brauchen Sie natürlich auch nichts zu löschen.

Schritt 2: Schaffen Sie die Voraussetzungen
Nachdem die Menüs geleert sind, werden die Präferenzen gesetzt. Hier wird im Moment nur die Basis für alle farblichen Operationen definiert, unabhängig davon, mit welchen Profilen später konkret gearbeitet wird.

Dran denken: Sie haben nach wie vor kein Dokument geöffnet.

Gehen Sie unter QuarkXPress -> Einstellungen… -> Standarddrucklayout -> Farbmanager. Sie definieren jetzt das Color Management Modul, das Vektor CMS sowie den Zugriff auf die Bildprofile. Die Einstellungen sehen dann so aus:

QuarkXPress 7 CMS Vorgaben

Beachten Sie, dass die Quellen- und Softproofing-Einstellungen unverändert geblieben sind.

Nehmen Sie außerdem noch folgenden Änderung in den Vorgaben vor:
Aktivieren Sie im Feld “Job Jackets” die Evaluierung “Bei der Ausgabe”.

Schritt 3: Definieren Sie den Standard
Wechseln Sie in Ihren QuarkXPress Preferences Ordner. Diesen finden Sie bevorzugt im QuarkXPress Programmordner oder unter User/Library/Preferences/ Quark/QuarkXPress 8.0/ auf Mac OS-X bzw unter C:\Documents and Settings\ {user}\Application Data\Quark\ auf Windows. Hinweise zum Thema “Wo und wie liegt der Prefences Ordner am besten” finden Sie auf quarkuser.net.

jj_download.jpg
Laden Sie sich hier das Paket mit den Job Jackets herunter.

Die Datei defaultjacket.xml beschreibt eine Standard-Konfiguration für den Ausgabefarbraum „ISOcoated_v2_eci.icc“.

10-07: Die Stile wurden auf den neusten PDFX-ready Standard aktualisiert! Hier ist der neue Download.

Ersetzen Sie die Datei defaultjacket.xml im QuarkXPress Preferences Ordner durch die neue, soeben herunter geladene. Starten Sie QuarkXPress neu.

Defaultjacket.xml im Preferences Ordner

HINWEIS: Sollten Sie hauptsächlich für einen anderen Farbraum Ihre Dokumente erstellen, können Sie auch ein anderes der Job Jackets in defaultjacket.xml umbenennen und stattdessen verwenden. Wie ansonsten mit Ausnahmefällen umzugehen ist, wird weiter unten erklärt.

Schritt 4: Der Aha-Effekt!
Erstellen Sie ein neues QuarkXPress Dokument.
Jetzt sehen Sie, dass das eingefügte Job Jacket in den Dokument-Vorgaben für das Farbmanagement (QuarkXPress  Einstellungen… -> Drucklayout -> Farbmanager) die vorher gelassenen Lücken geschlossen hat. Quell- und Softproofing Einstellungen sind jetzt auf Basis von „ISO Coated_v2_eci“ konfiguriert.

Preferences nach Job Jacket Konfiguration

Wenn Sie jetzt versuchen, ein PDF zu exportieren, werden Sie feststellen, dass in der Liste der verfügbaren Stile nur noch drei zu finden sind: Einer für Ansichts-PDFs und zwei für Druck-PDFs (mit und ohne Anschnitt).

Die in diesen Stilen gesetzten Farbeinstellungen entsprechen denen des aktuellen Softproofs und passen auch mit den Quelleneinstellungen zusammen.

Durch diese Menüreduktion wird es also sehr schwer, ein falsches Setting für den Export zu wählen. Aber zugegeben – einige werden es auch jetzt noch schaffen 😉

Schritt 5: Umgang mit Ausnahmefällen
Bisher würde jeder neue Job einfach in ISO Coated_v2_eci angelegt. Wie ist aber vorzugehen, wenn etwa eine Anzeige für die Tageszeitung oder eine Karte auf ungestrichenen Papier gestaltet werden soll?

Legen Sie dazu zuerst die im Download-Paket mitgelieferten Spezial-Job Jackets lokal oder auf dem Server ab. Definieren Sie diesen Ordner am besten als Job Jacket Speicherort in den Job Jacket Vorgaben von QuarkXPress.

Um jetzt ein neues Projekt auf Basis dieses Job Jackets zu erstellen, wählen Sie Ablage -> Neu -> Projekt von Ticket. Es erscheint eine Liste Ihrer Job Jackets. Wählen Sie das gewünschte aus und deaktivieren Sie unten Job-Jacket mehrfach nutzen (Alternativ kann das Job Jacket unter OS-X auch auf Finder-Ebene gesperrt werden).

Neu von Ticket

In diesem neuen Dokument können Sie jetzt die selben Effekte beobachten wie gerade, nur eben angepasst auf das spezielle Farbprofil. Beachten Sie außerdem, wie sich die Menüs jetzt dynamisch an die Vorgaben anpassen und immer nur die Auswahlmöglichkeiten zulassen, die für dieses Dokument passend sind.

Möchten Sie mehrere Dokumente mit einem anderen Farbprofil erstellen, können Sie natürlich auch kurzzeitig das defauljacket.xml wechseln. Ersetzen Sie die Datei im Preferences Ordner, starten XPress neu und erstellen jetzt wieder ganz normal neue Dokumente. Zum Schluss stellen Sie wieder die normale defauljacket.xml Datei ein und starten XPress neu.

Bitte beachten sie auch die Beschreibungen von Vorteilen und Problemen dieser Verfahrensweisen; den Überblick über das CMS-Verhalten sowie den Disclaimer!

Georg Obermayr, Januar 2007

5 Comments Versuch eines CMS-Setups in QuarkXPress 7

  1. Volker Lueck

    Hallo Herr Obermayr,
    vielen Dank um ihre Bemühungen endlich etwas Licht in die Arbeit mit JobJackets zu bringen. Beim Export mit der von ihnen vorgeschlagenen PDFX-3 ISO Coated v2 eci 3mm Version fehlten mir die Beschnittzeichen. Wie kann man das Default Jacket dahingehend ändern? Schöne Grüße Volker Lück

    [Georg Obermayr]: Hier gibt es eine Anleitungen für Änderungen an den Job Jackets: http://www.georgobermayr.de/index.php/korrekturen-am-cms-defaultjacketxml

  2. Volker Lueck

    Hallo Herr Obermayr,
    ich habe von einem Kunden eine Projektvorlage zur Umarbeitung bestehender Dokumente erhalten. Beim Versuch aus dieser Projektvorlage das Ticket zu exportieren stürzt Quark ab, bzw. über Kollaborationseinstellung>Projekt verknüpfen ist das Musterprojekt nich auswählbar (ausgegraut). Wie kann ich das alte Dokument korrekt ins neue Job Jacket umsetzen? Beim Versuch über Kollaborationseinstellungen die Mehrfachnutzung zu aktivieren, folgt beim sichern ebenfalls ein Absturz des Programms. Was mache ich falsch?
    Vielen Dank vorab für Ihre Info
    Schöne Grüße
    Volker Lück

    [Georg Obermayr]: Wahrscheinlich machen Sie nichts falsch – auch bei mir stürzt XPress 7.2 leider gelegentlich ab, wenn ich Job Jackets mit einem bestehenden Projekt verknüpfen will. Funktionieren dürfte es auf jeden Fall über eine Miniaturseitenkopie: Erstellen Sie ein neues Projekt auf Basis des gewünschten Tickets und ziehen Sie dann das alte Dokument per Miniaturseitenkopie in das neue Ticketbasierte. Auf diesem Weg wird auch das Dokument selbst bereinigt. Ich hoffe, das hilft weiter.

  3. Volker Lueck

    Hallo Herr Obermayr,
    vielen Dank für den Tip. Sie meinen doch über Ablage>Neu>Projekt vom Ticket>dann das Vorgabenprojekt auswählen? Allerdings kann ich dieses Ticket nicht anwählen (ausgegraut), vermutlich weil das Ticket nicht zur Mehrfachnutzung freigegeben ist. Wenn ich dann versuche das Ticket über den JJ Manager zur Mehrfachnutzung freizugeben, stürzt Quark erneut ab. Hardware ist ein G5 (kein Intel) mit QuarkXpress 7.2. Gibt es ihrer Erfahrung nach eine Möglichkeit das Vorgabenticket andersweitig zu exportieren oder muß der Ersteller des Jackets diese Mehrfachnutzung bei sich schon einstellen? Bin leider etwas ratlos und werde das ganze jetzt mal auf einem Intel versuchen.
    Vielen Dank für Ihre Hilfe und schönen Gruß von Volker Lück

    [Georg Obermayr]: Hallo Herr Lück, Richtig, es muss sich um ein mehrfachgenutztes JJ handeln um dieses als Vorlage für ein neues Projekt verwenden zu können. Wenn diese Freigabe über die Kollaborationseinstellungen nicht funktioniert gibt es noch den Weg über den JJ Manager: Wählen Sie dort das TICKET aus, dass sie zur Vorlage machen wollen und wählen Sie “Ticket exportieren”. Das so exportierte Ticket kann dann wieder zur Basis werden für neue Projekte. Prüfen Sie aber vorher umbedingt, was sich überhaupt in diesem Ticket befindet und was dort eingestellt ist! Wenn Sie ein leeres Ticket exportieren hat dies natürlich auch keinerlei Effekt auf neue Dokumente. Evtl. muss diese Vorlage also noch angepasst werden um ihre Funktion zu erfüllen.

  4. Kai Gehrmann

    Hallo Herr Obermayr, ich habe den Eindruck, daß mir Ihr JobJacket die Erzeugung von X3-Druckvorlagen sehr erleichtern kann. Ich habe alle Ihre Vorgaben befolgt … jedoch gelingt es mir nicht, alte Quark-Dokumente in dieser Form zu exportieren. Die Stile finden sich nicht im Export-Menü. Bei neuen Dokumenten klappt es wunderbar. Habe ich etwas überlesen oder nicht richtif verstanden? Herzliche Grüße, Kai Gehrmann
    [Georg Obermayr]: Nein, dass ist schon so in Ordnung. Job Jacket-Ressourcen sind ja keine direkten Programmressourcen (wie “normale” PDF-Ausgabestile, sondern immer direkt in das jeweilige Dokument eingebunden. Sprich: Die Stile stehen nur zur Verfügung wenn das Dokument ein Job Jacket eingebunden hat. Nur so ist sichergestellt, dass immer nur die zum Dokument passenden Stile auswählbar sind. Ein zweiter Aspekt: Ältere Dokumente sollten ja nie einfach in XPress 7 weiterbearbeitet werden, sondern zuvor einer Miniaturseitenkopie unterzogen worden sein. Über das JJ-Setup haben Sie die Möglichkeit schnell sehen zu können, ob ein Layout richtig nach XPress 7 übernommen wurde. Denn nur ein richtig übernommenes File hat ja ein eingebundenes Job Jacket und somit auch das vorkonfigurierte CMS + Ausgabewege.

  5. Feldmann

    Hallo Herr Obermayr,
    ist es möglich, dass die von Ihnen zur Verfügung gestellten xml-Dateien nur für die spezielle Quark-Version nutzbar sind, aus denen sie stammen. Also: DefaultJacket.xml aus QXP_7.2 funktioniert nicht unter QXP_7.3 oder höher. Grund meiner Annahme ist das erfolglose Ausprobieren und Nachvollziehen Ihrer sonst sehr gelungenen Veröffentlichung mit meiner QXP_7.3 und QXP_7.4 Version.
    Lieben Gruß

    Marc Feldmann

    [Georg Obermayr]: Hallo Herr Feldmann, Nein, das sollte nicht der Fall sein. Die Job Jackets sind ja XML-Dateien, die auf JDF basieren. Ich habe es gerade auch mit der Beta von XPress 8 getestet: Die JJs lassen sich problemlos importieren. Vielleicht können wir das Problem ja gemeinsam lösen. Was funktioniert den konkret nicht, oder welche Fehlermeldungen kommen denn?

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