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Mit dem Launch des Quark Interactive Designer vor gut einem Monat hat Quark einen Paukenschlag in der Erstellung interaktiver Inhalte vollzogen. Das neue Tool ist von essentieller Bedeutung für alle, die sich bisher aus verschiedensten Gründen nicht an Adobe Flash herangetraut haben. Trotzdem sehen viele Anwender nach der Veröffentlichung die XTension für QuarkXPress 7 mit gemischten Gefühlen: Sie halten sie für ähnlich überflüssig und praxisfern wie die Web-Features von XPress. Es ist an der Zeit etwas mit diesen Vorurteilen aufzuräumen.
Der Quark Interactive Designer, kurz “Interactive”, ist ein äußerst schlankes Produkt: Sie kommt als XTension für QuarkXPress 7 daher und funktioniert im Wesentlichen über eine einzige Palette. Neben den bereits bekannten Print- und Web-Layouts kommt mit Interactive jetzt zusätzlich die Möglichkeit ein interaktives Layout zu erstellen – und dieses wiederum in drei Varianten für Präsentationen, Schaltflächen und Bildfolgen.
Einzelne Objekte werden zu “interaktiven” Objekten verschiedener Art (etwa Animation, Fenster, Button, Film, Sound …) gewandelt und können dann mit Aktionen und Eigenschaften belegt werden. Die Oberfläche der neuen Palette präsentiert sich sehr übersichtlich, beherbergt jedoch trotzdem eine Menge an Funktionen: Objektanimationen können definiert, komplexe Interaktions- und Animationsabfolgen festgelegt, Seitenübergänge erstellt, Sounds eingebunden oder Inline-Fenster geöffnet werden und noch vieles andere mehr. Die Arbeit mit einem Großteil dieser Features erschließt sich jedoch trotzdem recht intuitiv, sodass sich die Einarbeitungszeit für die meisten im Rahmen halten dürfte.
Das Ausgabe-Produkt von Interactive ist SWF, das Wiedergabeformat von Flash. Es ist auch möglich Stand-Alone Player für Mac oder PC zu erstellen.
Ist Quark Interactive Designer jetzt das “bessere” Flash? Oder vielmehr Produkt “verschenkter” Ressourcen innerhalb von Quark? Weder noch. Die Intention von Interactive ist weder ein adäquater Ersatz für Adobe Flash noch ist das Produkt so lächerlich, wie es auf den ersten Blick für manche scheinen mag.
Zuerst einmal soll Interactive keine weitere Programmier Umgebung für SWF-Inhalte sein. Die Zielgruppe des Tools sind nicht die Coder oder Flash-Cracks, die schon seit Jahren mit Adobe Flash arbeiten. Zielgruppe sind vielmehr die Designer und Kreativen, für die eine Einarbeitung in das sehr komplexe Programm Adobe Flash bisher nicht in Frage kam, oder gar scheiterte. Interactive hat keine integrierte Script-Sprache und beherrscht auch nicht alle technischen Finessen, die mit Adobe Flash möglich wären.
Dafür kommt die Funktionsweise des Tools auch Grafikern entgegen: Sie müssen sich nicht in eine neue Umgebung einarbeiten, sondern können mit den vertrauten Möglichkeiten und Werkzeugen von QuarkXPress völlig neue Ausgabewege beliefern. Auch die Denke des Programms orientiert sich an den Kreativen: Während die Zeitleiste von Adobe Flash für manche zum Einstieg zu komplex ist, fühlt sich das Seiten- und Objekt-orientierte Handling von Interactive von Beginn sehr intuitiv an, und ist so z.B. auch aus PowerPoint bekannt.
Ein weiterer Unterschied zu Adobe Flash ist, dass Interactive Typo- und Grafikfunktionen bietet (eben die bekannten Funktionen aus QuarkXPress), die in Adobe Flash nur durch den Import von Bildern und Grafiken z.B. aus Adobe Illustrator möglich wären.
Um es also auf den Punkt zu bringen: Quark möchte mit Interactive keine User von Adobe Flash abluchsen, die sind in der Regel ja auch mit dem Programm zufrieden. Aber all jene, denen Adobe Flash bisher zu komplex war (und das sind wohl nicht wenige), aber dennoch Flash (SWF) erstellen möchten, bekommen mit Interactive ein Werkzeug in die Hand, das es schnell und einfach erlaubt, interaktiven Content zu erstellen. Natürlich orientieren sich daran auch die Möglichkeiten des Quark Produkts, mit dem sich eben nicht alle Anwendungsbereiche von Adobe Flash abdecken lassen, da letzteres ja eher in Richtung einer Programmierumgebung geht.
Dadurch, dass Interactive in erster Linie funktioniert wie das restliche XPress 7 können natürlich auch dessen grafische Möglichkeiten voll genutzt werden: Transparenzen, Schlagschatten, OpenType und Typografie, Tabellen usw. Man muss sich also mit keinen neuen Bedienungsfeldern vertraut machen, um Designs aufzubauen. Erst für das Hinzufügen der interaktiven Eigenschaften kommt die neue XTension zum Einsatz.
Weitere Vorteile: Sie müssen kein komplett anderes SWF-Authoring Programm (Adobe Flash Alternativen) erlernen, welches dann im grafischen Bereich evtl. Einschränkungen hat, wie sie von QuarkXPress so nicht bekannt sind (oder umgekehrt). Auch müssen keine Layouts oder Grafiken doppelt in verschiedenen Programmen aufgebaut werden.
Interactive macht besonders extensiv von den neuen Composition Zones von XPress 7 gebrauch – und wäre ohne diese Funktionalität wohl auch nur schwer vorstellbar. Mehrseitige Animationsfolgen und Buttons mit verschiedenen Aussehenseigenschaften werden mittels Composition Zones in das Master-Layout eingebunden und spielen so ihre Funktionalität aus.
Hochinteressant ist der integrative Aspekt von Interactive, der sich so nur in einer Applikation erschließen kann, die es erlaubt, Ausgabe in verschiedenste Kanäle zu lenken. Texte, Bilder und andere Elemente können in einem Print-Layout als synchronisiert markiert werden und dann gemeinsam mit einem interaktiven- oder Web-Layout innerhalb desselben Projektes genutzt werden. Änderungen an der einen Stelle bedeuten somit auch automatisch Änderungen an anderer Stelle. Content muss nur noch einmal zentral gepflegt werden. Selbiges gilt auch für die neuen Composition Zones. Die Möglichkeit, Inhalte mehrfach zu nutzen, steht übrigens nicht erst seit Interactive und XPress 7 zur Verfügung und ist auch für den Satz von Print-Produkten sehr spannend.
Hier zeigt sich einmal mehr: Wer im Geiste mit QuarkXPress 4 weiterarbeitet, dem wird sich keines der neuen Features der letzten XPress Versionen erschließen. Wer nicht bereit ist, seine Arbeitsweisen anzupassen, zieht oftmals auch nur wenig nutzen aus den Updates.
Ähnliches gilt auch für das leidige Thema Web-Layouts: Wie viel wird darüber gelästert und heimlich gelacht! Doch nur wenige erkennen die echten Vorteile für das schnelle Aufsetzen von Prototypen und auch für das einfache WYSIWYG-Webdesign in der vertrauten Umgebung. Einzigartig ist auch die Möglichkeit, ein interaktives Layout in ein Weblayout zu ziehen, ohne dabei vorher als SWF zu exportieren. So können Web- und Flash-Layout zusammen gestaltet werden. Die Wege die XPress hier bietet, sind nicht so rudimentär wie oftmals angenommen. Den Quelltext betrifft dies jedoch nur bedingt…
Sowohl für die HTML- als auch für die Flash-Features von XPress gilt: Möchte ich High-End Anwendungen erzeugen, komme ich um die entsprechenden Profi-Tools nicht herum. Wer jedoch als Kreativer Anwendungen im Mid-End Bereich realisieren möchte, und kein ActionScript u.ä. braucht, der kann mit interaktiven Features von XPress jetzt Sprünge machen.
Der Workflow der Quark hier vorschwebt, war in der Praxis bisher kaum anzutreffen – was jedoch weniger an der Unzulänglichkeit der Implementierung liegt, sondern wiederum mehr an der Denke der Anwender: Erstellen eines Event-Flyers als Print-Layout, gemeinsames Nutzen der Inhalte des Flyers mit einem Web-Layout, welches als Event-Pop Up auf der Website eingesetzt werden soll, und, jetzt neu, gemeinsames Nutzen der Inhalte mit einem interaktiven Layout und Export als Flash-Banner. Als Ausgabewege können somit aus XPress 7 u.a. PDF/X-3, HTML und SWF beliefert werden.
Kann das für Sie ein Weg sein zum einfachen, mehrkanaligen Publishing? Probieren Sie es aus!
Georg Obermayr, Dezember 2006
