Quark hat vor kurzem nach zwei kleineren Updates das erste größere Wartungsupdate für XPress 8 veröffentlicht: XPress 8.1.
Das Update enthält einige willkommene Neuerungen: So wurde etwa die Usability der Rechtschreibprüfung verbessert. Die schmerzlich vermisste Scale XTension ist jetzt ebenfalls integriert. Objektstile und Objekt Suchen/Ersetzen können jetzt auch mit Schlagschatten umgehen. Darüber hinaus gibt es viele kleine und große Verbesserungen bei Anwenderfreundlichkeit und Stabilität.
Die wichtigste Neuerung aus Sicht der Druckvorstufe aber: XPress 8.1 unterstützt jetzt die Ausgabe nativer Transparenz!
Für alle von der Transparenz-Ausgabe geplagten Anwender von XPress 7 und 8.0x ist das sicher ein Grund zur Freude. Aus meiner Erfahrung hatte ein Großteil der Probleme bei der PDF-Erzeugung irgendetwas mit Transparenz zu tun. Quark wusste um diese Schwachstelle und hat jetzt für Abhilfe gesorgt.

Transparenz-Interface in XPress 8.1
Jedoch gibt es bei dieser Ankündigung ein ABER: Quark hat nicht – wie zu hoffen gewesen wäre – die komplette PDF-Engine auf eine neue Basis gestellt, etwa der neuen Technologie von Global Graphics. Stattdessen wurde die bestehende Technologie, mit PostScript als Zwischenstation, an einigen Stellen aufgebohrt. Die Ausgabe von Transparenz erfolgt mithilfe sog. PDFMarks, welche die Transparenz durch PostScript, welches keine Transparenz versteht, schleusen. Auf diese Weise hat Quark auch die Ausgabe von XPress-Ebenen in PDF-Ebenen (Optional Content Groups) realisiert. Eine komplette Neuarchitektur der PDF-Ausgabe inkl. Farbmanagement bleibt wohl späteren Versionen von XPress vorbehalten. Es spricht für Quark, dass das drängende Problem trotzdem über eine solche Zwischenlösung angegangen wurde.
Dieser technische Unterbau ist je nach Sichtweise und Workflow ein großes, kleines oder auch gar kein Problem. Im besten Fall werden alle Ihre bisherigen Probleme gelöst ohne das neue dazukommen. Weil das aber nicht immer der Fall ist hier die wichtigsten Tipps zur Ausgabe von Transparenz via PDFMarks in XPress 8.1:
Importierte Transparenz
Auch XPress 8.1 kann keine transparenten Objekte in AIs oder PDFs nativ importieren. Diese werden durch XPress verflacht. Neu ist, dass sich die Reduzierungsauflösung für diese Objekte bei der Ausgabe steuern lässt. Die Vorgabe von 300 ppi ist dabei wohl in vielen Fällen zu wenig. In meinen Tests war immer wieder auch der Maximalwert von 1200 ppi geboten.
Um dieses Problem zu umgehen empfiehlt es sich transparente PDFs vor dem Import in Acrobat zu verflachen. Anstelle von AIs sollten Sie aus Illustrator heraus weiter EPSe in XPress zu platzieren. Somit übernimmt Illustrator die Verflachung der Elemente und nicht XPress was in einigen Fällen zu besseren Ergebnissen führt.

Importierte AI- bzw. PDF-Transparenz in XPress 8.1
Schlagschatten
Auch bei nativer Ausgabe von Transparenz müssen Schlagschatten weiterhin gerendert werden. Diese kommen dann als sog. „soft image mask“ im PDF an. Diese Maske hat natürlich weiterhin eine Bildauflösung. Hier greift also auch in XPress 8.1 der Wert für das Rendering von Schlagschatten.
Die Vorgabe von PDFX-ready von 449 ppi für Schlagschatten erschien mir in XPress 8.1 an manchen Stellen etwas zu niedrig. So hatten Schatten am Monitor Posterisierungen und Halo-Effekte. Eine Erhöhung der Auflösung auf 800 ppi hat hier Abhilfe gebracht. Im Proof haben sich diese Probleme jedoch nicht bestätigt.
Schlagschatten in RGB und Lab
Auch wenn Sie Ihre Schlagschatten in RGB oder Lab aufbauen und „Unverändert“ ausgeben wandelt XPress 8.1 diese nach CMYK um. Diese Logik war bei verflachter Ausgabe notwendig und ist jetzt bei unverflachter Ausgabe wohl als Relikt zu betrachten.
Farbmanagement
Für das Farbmanagement heißt diese Zwischenlösung auf Basis von PDFMarks, dass sich nichts geändert hat. Die Architektur ist ja dieselbe geblieben. Auch jetzt ist es also nach wie vor sehr schwierig bis unmöglich medienneutrale PDFs zu erstellen. Hauptgründe dafür sind das eigenwillige Objekt-Tagging Verhalten von XPress sowie das Verwerfen das Original-Profilnamens bei der PDF-Ausgabe.
PDF/X-4
Weiterhin: Aus XPress 8.1 lässt sich kein PDF/X-4 mit nativen Transparenzen erzeugen. Jedes PDF aus XPress 8.1, das Live-Transparenz enthält, ist unzertifiziert. Ein PDF/X-4 Support hätte für Quark weiter reichende Folgen etwa bei der Ausgabe von Fonts, Farben oder Metadaten gehabt.
Leider ist es aktuell nur schwer möglich aus einem solchen XPress 8.1 PDF im Workflow ein PDF/X-4 zu erzeugen. Nicht alle Objekte lassen sich von Callas Profilen PDF/X-4 konform „fixen“. Dies betrifft vor allem ein Problem mit TrueType Fonts. Mit einigen Umwegen können Sie es umgehen:
[Update:] Es gibt noch einen Workaround um das TrueType Problem zu umgehen. Mit der PDF Toolbox von Callas können Sie dazu das Fixup “TrueType-Schriften nach CID umwandeln” verwenden. Somit wird die Restriktion von PDF/X-4 umgangen.
Welche Anwendungsbereiche ergeben sich somit aus den neuen Transparenz-Möglichkeiten in XPress 8.1? Zum einen wird die Ausgabe wesentlich schneller und stabiler. Auch wenn Sie weiterhin PDF/X-1a, also ein verflachtes PDF, an Ihre Druckerei geben, sollten Sie in Erwägung ziehen aus XPress unverflacht auszugeben. Die Reduzierung und PDF/X-Verifizierung würde dann durch Adobe Technologie im PDF erfolgen. Besonders bei kniffligen Vektor-Reduzierungen kann das Gold wert sein. Das bisherige Hauptmanko der Transparenz-Ausgabe von XPress lässt sich also jetzt einfach umgehen.
Auch für Screen-PDF sollten Sie zukünftig auf die in diesem Kontext schon länger nicht mehr notwendige Verflachung verzichten. Die PDFs werden dann auch kleiner.
Sollte das Ausgangs-PDF von XPress 8.1 zukünftig auch für PDF/X-4 geeignet sein, ließen sich diese auch in „CMYK only“ Workflows mit nativer Transparenz einsetzen. Bis es soweit ist bedarf es jedoch genauer Absprachen zwischen Druckerei und Kunde um die Weitergabe unzertifizierter PDFs zu ermöglichen.
Übrigens: Durch den Einsatz von PDFMarks können Sie auch auf dem Weg „Export als PostScript“ via Distiller PDFs mit nativer Transparenz erzeugen. In Ihre Distiller Joboptions müssen Sie dazu im Texteditor den Parameter /AllowTransparency auf „True“ setzen.
Georg Obermayr, August 2009
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Comments ( 4 )
Mark added these pithy words on Aug 11 09 at 8:11 pmHallo Georg,
vielen Dank für diesen sehr interessanten Blog!Was mich wundert: weshalb steht in den Bildschirmfotos dpi und nicht wie in deinem Blog richtig geschrieben ppi?
Grüsse,
Mark[Georg Obermayr]: … Weil Quark das so bezeichnet hat…
Mark added these pithy words on Aug 13 09 at 11:22 amHallo Georg,
eine Firma wie Quark die ein Profiprogramm wie XPress entwickelt und vertreibt sollte doch den Unterschied kennen. Und es dann korrekterweise (ppi) bezeichnen. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln …
Grüsse,
Mark
Gerhard added these pithy words on Sep 16 09 at 11:02 amHallo Georg,
erstmal großes Dankeschön für das Kapitel zu QuarkXPress im Cleverprinting-Handbuch “PDF/X und Colormanagement”. Dieses Kapitel und die dort gezeigten Einstellungen und Erklärungen waren “lebensrettende Maßnahmen” für mich! Danke auch für diesen Blog.
In Quark 8.1 läßt sich ja nun die Verflachung von PDFs und AI auch beim IMPORT steuern. Wie groß war denn die Auflösung bisher, d.h. in XPress 8.02? Mit den dort erzielten Ergebnissen konnte ich bisher gut leben, deshalb würde ich diesen Wert gerne weiterverwenden, solange keine Probleme sichtbar werden.
Danke im voraus und Grüße
Gerhard
Gerhard added these pithy words on Sep 16 09 at 11:10 amHallo Georg,
erstmal großes Dankeschön für das Kapitel zu QuarkXPress im Cleverprinting-Handbuch “PDF/X und Colormanagement”. Dieses Kapitel und die dort gezeigten Einstellungen und Erklärungen waren “lebensrettende Maßnahmen”.
In Quark 8.1 läßt sich ja nun die Verflachung von PDFs und AI auch beim IMPORT steuern. Wie groß war denn die Auflösung bisher, d.h. in XPress 8.02? Mit den dort erzielten Ergebnissen konnte ich bisher gut leben, deshalb würde ich diesen Wert gerne weiterverwenden, solange keine Probleme sichbar werden.
Danke im voraus und Grüße
Gerhard[Georg Obermayr]: Der alte default entspricht dem neuen: 300 ppi
